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Wer kann mir helfen, endlich das Thema "Grounding" zu verstehen?

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QOTSA_Lover:
Hallo liebe Gemeinde,

ich versuche mich gerade intensiv mit dem Thema Grounding auseinanderzusetzen. Ich habe mir die bekannten Seiten von

Aiken
Valvewizard
"Larry" Grounding
etc.

angesehen. Ebenso den Baubericht des Müller Mustangs hier im Forum und etliche andere Beiträge in diversen Foren.

Prinzipiell verstehe ich auch, worum es geht und wie es theoretisch funktioniert. Gerade das Grounding-Kapitel von Valvewizard war sehr aufschlussreich. Angehängt auch einen Grafik an der ich mich orientiere. Die dort abgebildeten Layouts verstehe ich zum Großteil. Wenn ich das jetzt alles auf einen konkreten Amp übertrage, fällt es mir jedoch schwer, das Grounding bis ins letzte Detail auszuarbeiten.

Immer wieder ist die Rede davon, die Filter-Elkos einer bestimmen Stufe und die dazugehörigen Teile dieser Stufe lokal zusammenzufassen. Alles was nach einem Koppelkondensator kommt, gehört zur nächsten Stufe. Diese "Substars" (aus Elko + dazugehörigen Massen der Stufe) werden dann zu einem Bus geführt. Der Bus klappert dann alle Substars ab und wird dann an einer einzigen Stelle auf Masse gelegt.

Was mir jedoch schwer fällt ist, die "Substars" richtig zusammenzufassen. Also konkret wo ich den Schlussstrich zwischen der einen und der anderen Stufe ziehe.

Ich hätte daher ein konkretes Beispiel. In dem angehängten Layout vom Cameron CCV bekomme ich die ersten beiden Gainstufen bzw. den ersten Elko noch hin. Danach fällt es mir schwer.
Cameron hat hier scheinbar noch einen zusätzlichen Becherelko (C16 / C12) verbaut, wobei ich davon ausgehe, dass hier nur die Kapazitäten erhöht werden sollten und es prinzipiell beim Thema Grounding nichts grundlegend ändert.

Ich habe die  Elkos mit 1 bis 5 beschriftet und so versucht sie einer Stufe zuzuweisen.
Die erste Röhre bekomme ich gut hin. Die ersten vier Ground-Punkte im Layout gehören zur ersten Hälfte der 1. Röhre. Dann wird ausgekoppelt und alles was danach kommt, gehört zur zweiten Hälfte der 1. Röhre. Beide Hälften gehen an den Ground des ersten Stufenelkos (Nr. 1) und von dort an den BUSS.

Somit müsste das doch mit der Theorie von ValveWizard zusammenpassen oder mache ich hier bereits einen Fehler?

Dann geht es quasi nach dem Koppel-C C14 weiter. Diese Grounds gehören dann zum CF (2. Röhre) und dem mit 2 markierten Stufenelko.
Was mir schwer fällt ist alles was nach C23 kommt.

Ich würde alles bis zu C30 kurz vorm PI noch der Stufe 2 zuordnen. Alles nach dem C30 dann zur 3. Stufe.

Mache ich das so richtig? Vor allem die Vorstufe fällt mir schwer.


Jetzt wäre dann noch die Frage wie ich das in die Praxis übertrage. Wie macht ihr das konkret?
Setzt ihr mehrere Punkte auf dem Chassis (Preamp, BIAS, PI, SCREEN, MAIN)? Oder eine Mischung aus Bus und Starground?
Wenn ich mir z.B. das Ceriatone YETI Layout angucke, habe ich das Gefühl, dass das Grounding hier auch nicht perfekt gelöst ist.

Gerne auch mit Praxistipps aus euren Amps.

Vielleicht könnt ihr mir helfen, das endlich komplett zu verstehen.
Danke und viele Grüße


chaccmgr:
Hi,
zu dem Thema gibt es unendlich Beiträge in diesem und anderen Foren, SuFu hilft. Die von Dir genannten Quellen sind gut. Hier nur ganz kurz:

1) reines Star Grounding mit wirklich nur einer Verbindung zum Chassis ist das Rezept, das, wenn sonst alles richtig gemacht wurde, die geringste Wahrscheinlichkeit für Probleme hat. Dabei werden, wie Du richtig vermutest, alle Bereiche, die zwischen zwei Koppelkondensatoren liegen am Massepunkt des Elkos zusammengefasst, der den Bereich versorgt und von dort zum zentralen Stern geführt
2) ein Bus wird oft gemacht und funktioniert meistens, ABER NICHT IMMER -->1), je Elko nur eine Verbindung zum Bus
(manche machen mehrere Verbindungen dort, wo es am einfachsten ist, kann klappen, muss aber nicht)
3) Fender, Dumble, Ceriatone (kopiert ja eigentlich nur) und viele andere, auch Hobby-Bauer wie wir, machen desöfteren mehrere Massepunkte am Chassis, was funktionieren kann aber nicht muss. Um das herauszufinden, musst Du den Amp bauen und ausprobieren. Das macht bei Einzelprojekten, wie wir sie machen, aber wenig Sinn. Die vielen Versuchsaufbauten, die Fender und Co. haben machen müssen, bis es funktioniert hat, sieht keiner.

In Deinem Beispiel gibt es nach C23 keinen zuständigen Elko, weil keine aktive Stufe drinnen ist. Ich gehe in solchen Fällen auf Nummer sicher und verfahre nach 1), also alles was zwischen C23 und C30 ist, wird lokal an einem GND zusammengefasst und bekommt dann eine eigene Leitung zum Massestern (also nicht 2 zuordnen).

Umsetzung in der Praxis:
das ergibt sich doch aus der verwendeten Topologie
1) Zusammenführen der GND-Punkte aller Teile, die zu einem Elko gehören am GND des Elkos, eine Leitung von dort zum Massestern
2) Ein Bus (dicker Querschnitt) läuft vom Netzteil an allen Stufen vorbei bis zum Massestern, jede Stufe hat nur eine Verbindung zum Bus
3) alles wurscht (na ja, nicht wirklich, aber aufwändig zu beurteilen).

QOTSA_Lover:
Vielen herzlichen Dank für deine Rückmeldung.
Das erleichtert mir schon vieles.

Ja, die Suchfunktion habe ich bemüht aber es gibt dann in den konkreten Schaltungen oft Stellen bei denen es mir schwer fällt es der richtigen Stufe zuzuordnen.

Noch eine kurze Nachfrage für das Verständnis:
Woran erkenne ich denn, dass in dem konkreten Beispiel da keine Aktive Stufe vorhanden ist?
Weil zwischen dem Koppel C23 und C30 keine Röhre sitzt bei der die Anoden beschalten werden?

QOTSA_Lover:
Eine ergänzende Frage hätte ich noch:

Gerade das Tonestack bereitet mir oft Probleme wie es zugeordnet wird.

Viele legen die TS Masse mit auf den PI aber das verstehe ich nicht, da in allen Amps die ich mir ansehe (meistens Marshall-Style Amps) direkt vor dem Gitter (V3 Grid) der PI-Röhre noch ein Koppel Kondensator sitzt. Oder zählen da die Koppel-Cs des Tonestacks selbst als Abgrenzung?

Ich hoffe ihr versteht was ich meine bzw. wo es bei mir hakt. Mir fehlt die konkrete "Regel" dahinter, wie man eine Stufe von der anderen abgrenzen kann. Bei den Eingangsstufen der meisten Amps verstehe ich das das. Da ist alles schön übersichtlich -> Grid -> Anode / Kathode -> Koppel C der dann abgrenzt. Probleme habe ich oft bei CF-Stufen und Amps bei denen "viel" zwischen zwei Stufen passiert wie im obigen Beispiel.




tele05:
Ich habe mir das immer so gemerkt:
alle Massen nach einer Röhrenstufe werden an der Masse des Kathodenelkos der folgenden Röhre zusammengefasst.
Eventuell zwischendurch vorhandene Kondensatoren / DC Blocker zählen nicht.

Da nach einer Anode wg. der hohen DC Anteile fast immer ein Kondensator kommt, ist das fast dasselbe wie Deine Formulierung.
Sie argumentiert aber nicht über die Kondensatoren.
Für detaillierte Warum-Erklärungen fragst Du bitte lieber jemand anderes.

Bei meinem ersten Röhrenamp hatte ich ein massives Massebrummen und ein hilfreicher Bekannter hat das Problem in 10 min. durch geschicktes Zusammenfassen der Massen gelöst und mir so erklärt wie oben.
Seitdem ist das (fast) kein Thema mehr.

Die Massen der Anoden-Filterelkos liegen bei mir meist separat weil ich die wegen der hohen Ströme von den Signalmassen trennen will.

Ist ein weites Feld und ich hoffe, es verständlich formuliert zu haben (und dass kein Quatsch drinsteht).

Grüße
Oliver

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