Tube-Town Forum
Technik => Tech-Talk Design & Konzepte => Thema gestartet von: Olaf84 am 21.05.2010 17:39
-
Hallo miteinander !
Man hört manchmal daß es kleine Class-A Amps gibt, die mit nahezu beliebigen Endröhren bestückbar sind,ohne
daß man den Ruhestrom neu einstellen muß.
Ich glaube das ganze nennt sich Self-bias
Wie wird so etwas realisiert ?,
Wird für diesen Zweck eine Konstantstromquelle verwendet ?
Auf eure Antworten bin ich gespannt.
Gruß
-
Hallo,
das ganze funktioniert über Gitterspannungserzeugung via Kathodenwiderstand.
In die Kathodenleitung wird ein Widerstand eingesetzt, über den der Kathodenstrom einen Spannungsabfall verursacht.
Das Gitter wird auf 0V gelegt und dann ist die Kathode positiver als das Gitter => negative Gittervorspannung.
Die Kunst an der Geschichte ist es den Widerstand so zu wählen, dass alle Röhrentypen in erträglichen Betriebsbedingungen arbeiten.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das eine nette Spielerei ist, aber wenn man es einmal gemacht hat, völlig uninteressant wird.
Grüße,
Swen
-
Hallo,
"self-bias" oder "auto-bias" oder auch "cathode bias" ist im Prinzip die Methode, wonach z.B. fast alle Röhren in der Vorstufe eines Amps beschaltet sind. Es funktioniert auch bei Gegentakt-Endstufen. Wichtig ist einfach, dass das Gitter im Verhältnis zur Kathode auf einem niedrigeren Potenzial liegt. Beim "self-bias" macht man das mit einem Kathodenwiderstand, so dass sich eine positive Kathodenspannung im Verhältnis zur Gitterspannung (0V) einstellt.
Man kann aber auch die Kathoden auf 0 Volt legen. Dann muss man aber eine negative Spannung auf das Gitter geben - so fast alle sog. "fixed bias"-Schaltungen der Endstufenröhren bei den bekannten Modellen von Fender und Marshall. "Fixed" deshalb, weil diese Spannung fest ist, d.h. unabhängig von den Eigenschaften der Röhre. Ggf. muss man sie aber auf verschiedene Röhren einstellen - das wäre dann "adjustable fixed bias".
"Self-bias" bedeutet nun, dass die Röhre sich auf der Grundlage der Anodenspannung und der Kathodenbeschaltung ihren Arbeitspunkt selbst sucht. Das geht aber nicht grenzenlos, d.h. ist der Ruhestrom zu groß, kann die Verlustleistung der Röhre überschritten werden. Es hängt deswegen von dem jeweiligen Verstärker mit Kathodenbias (Anodenspannung, gewählter Kathodenwiderstand) ab, wieviele verschiedene Röhrentypen passen. Es ist aber möglich, diese Parameter so zu bestimmen, dass eine Vielzahl verschiedener Röhren funktioniert. Das klingt dann auch unterschiedlich, kann aber zu Fehlinterpretationen führen, weil die Schaltungsumgebung dann z.B. für die EL34 günstiger sein kann als für z.B. eine 6L6.
Wichtig ist aber der Unterschied zwischen der Bias-Methode (Kathodenbias oder feste negative Gittervorspannung) zum Bias-Ergebnis. "Class A" ist keine Biasmethode, sondern ein Bias-Ergebnis. Weitere Einzelheiten hierzu gibt es bei www.aikenamps.com.
Viele Grüße
Stephan
EDIT: Swen war schneller.
-
Salü,
Selfbias über einen Kathodenwiderstand funktioniert allerdings nur in A- und AB-Betrieb wenn ich mich nicht irre, nicht jedoch bei B-Betrieb.
Eine Konstantstromquelle anstatt eines Kathodenwiderstands findet man manchmal bei HiFi-Verstärkern (mal bei Jogis Röhrenbude die SuFu bemühen)
mfg sven
-
Wenn ich auch meinen Senf dazugeben darf: Ich kann mich erinnern was von den Hifi-Kollegen in den Niederlanden gelesen zu haben, die ein fertiges Modul verkaufen mit dem man den Bias für mehrere Röhren automatisch steuern kann. Ist im Prinzip halt auch eine normale Konstantstromquelle.
EDIT: Soll keine Werbung sein, aber hier gibt's dieses Auto-Bias-Modul: http://www.mennovanderveen.nl (http://www.mennovanderveen.nl)
Keine Ahnung ob das bei Instrumentenverstärkern Sinn macht. Der Zweck von dem Ding ist allerdings nicht, dass man Röhren beliebigen Typs reinstecken kann, sondern die Soundqualität zu verbessern indem der Strom absolut konstant gehalten wird. Ein Röhrenwechsel wird damit natürlich auch vereinfacht.
-
Selfbias über einen Kathodenwiderstand funktioniert allerdings nur in A- und AB-Betrieb wenn ich mich nicht irre, nicht jedoch bei B-Betrieb.
Das ist so korrekt: "Um die nötige, stark negative Gittervorspannung zu erzeugen, muss eine eigene Spannungsquelle eingesetzt werden, denn durch den geringen Ruhestrom ist ein so hoher Spannungsabfall von - 15V bis -60V durch einen Kathodenwiderstand nicht möglich."
mfg ordi
-
Salü,
Nur der Vollständigkeit halber, bevor jemand in eine Sinnkrise gerät. Ordi und ich haben grad nochmal drüber diskutiert und unsere Quellen verglichen und sind bei Otto Diciol's Röhren-NF-Verstärker Praktikum (Seite 81 bis 82) hängen geblieben.
Da auch die Gittervorspannung konstant sein muss, machen es die großen Spannungsschwankungen unmöglich, die Gittervorspannung durch Spannungsabfall entweder in der gemeinsamen Minusleitung oder in den Kathodenkreisen der beiden Endröhren zu erzeugen
mfg sven